Alles kommt zusammen

Starke Nachfrage auf nahezu allen Nadelschnittholz-Weltmärkten

 

Ein Artikel von Gerd Ebner | 20.06.2018 - 08:17

 

Derzeit herrscht eine Marktsituation, in der die meisten Weltmärkte einen sehr hohen Bedarf an Nadelschnittholz haben. Auf vielen Märkten ging es absatzseitig steil nach oben – allen voran der US-Markt. Jetzt, Mitte des Jahres, zeichnet sich eine gewisse Stabilisierung ab.

 

 

Bauboom – und noch zu wenig

 


© Holzkurier

 

Die Hausbaubeginne sind in den USA steigend. Sie sind aber noch weit von den 1,6 Millionen Einheiten entfernt, welche die demografische Entwicklung eigentlich verlangen würde. Das heißt: Die USA haben weiterhin noch Wachstumspotenzial.

Warum die Entwicklung in den USA derzeit so extrem preistreibend (s. Grafik) ist, lässt sich nicht allein mit dem steigenden Bedarf erklären. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. So dämpften die Waldbrände im Vorjahr an der US-Küste und der kanadischen Westküste das Rundholzangebot. Außerdem reduzierte die großflächige Borkenkäferkalamität in Kanada die Rundholz-Verfügbarkeit.

 

 

Transport problematisch

 

Auf der Schnittholzseite wirkten zweifellos die US-Zölle preistreibend auf kanadisches Schnittholz. Ein nicht außer Acht zu lassender Faktor ist der Engpass in den (Bahn-) Transportkapazitäten. Da das in den USA stark nachgefragte Schnittholz nicht ausreichend schnell gegen Süden transportiert werden kann, explodiert dort der Preis. Die Lagerstände nördlich der US-Grenze sollen immer noch hoch sein.

Die Schwierigkeiten erfreuen die Europäer. Vom Tiefstpreis der vergangenen zehn Jahre (117 €/m3 frei Große-Seen-Region) auf faktisch 400 €/m3, ist das fast eine Vervierfachung. Allein in den vergangenen fünf Monaten legte der Preis um 100 €/m3 zu. Nimmt man Frachtkosten von etwa 60 €/m3 von Deutschland in die USA an, kann man erahnen, welche Erlöse lukrierbar sind.

 

 

Probleme bei Importen

 

Leicht verdientes Geld gibt es allerdings nirgends. Mehrere deutsche und österreichische Unternehmen hatten in den Vormonaten massive Probleme wegen unpassender Qualitäten/Dimensionen. So anspruchslos wie die US-Kunden in den Hypejahren 2005 und 2006 waren, sind sie heute nicht mehr. Diese Einstiegschwierigkeiten dürften mittlerweile aber überwunden sein.

Der US-Marktpreis wirkt sich faktisch weltweit aus. Europäische Produzenten haben nun eine lukrative Alternative zur Levante, zu diversen Italien-Sortimenten und für die eigene Weiterverarbeitungs-Kalkulation.

 

 

US-Preis wirkt überregional

 

Doch selbst in Ländern wie Australien hebt das US-Niveau indirekt die Preise. Vergleichbare Sortimente gehen vermehrt in Richtung der USA und nicht des australischen Binnenmarktes. Die US-Preiswellen sollen auch schon Korea erreicht haben. Deren Beschaffungspreise sind indirekt beeinflusst vom US-Preis.

 

 

China hat weiterhin Holzhunger

 

China hat als zweiter Mega-Holzmarkt seine heurige Schwächephase Mitte April abgelegt und sich merklich stabilisiert. Speziell die Verpackungsware ist wieder verstärkt gefragt. Doch auch für höhere Qualitäten werden wieder 280 bis 290 US-$/m3 bezahlt. Bei beidem tun sich derzeit die schwedischen und russischen Anbieter am leichtesten. Beide Exportnationen profitierten von abgewerteten Währungen. Bei den Schweden sind es im Vergleich zum Euro 5 %, beim Rubel sind es 13 % (jeweils im Jahresvergleich. Die größte Währungsabweichung der Krone waren aber 10 % gegenüber dem Euro, gar 20 % waren es beim Rubel.

 

 

Plantagenholz für 190 AUD/fm

 

Die chinesischen Rundholzimporte hinterlassen ebenfalls global Spuren. Über die europäischen Eichen-Exporte hat der Holzkurier berichtet. In Neuseeland und Australien kaufen die Chinesen große Nadel-Rundholzmengen. Aus Neuseeland haben sich die Rundholzmengen in Richtung China von 2012 bis heuer vervierfacht.

„Das Plantagenholz hat große Astabstände – es gibt also schöne Clears für die Möbelindustrie. Das wird für 190 AUD/fm für Sägerundholz ab Hafen – und bis zu 200 US-$/fm für astreine Radiatakiefer – gehandelt“, so etwa Kurt Schrammel, Verkaufsleiter Vida, warum die australische und neuseeländische Industrie diese Konkurrenz sehr fürchtet. Hinzu kommen indische Verarbeiter, die ebenfalls Rundholz für Möbel kaufen.

 

 

Deutsche Kiefer für Indien

 

Indien hat für europäische Produzenten noch bei Weitem nicht die Bedeutung von China. Bei Spezialsortimenten ist es anders. Als Beispiel sei sägefallende Kiefer aus Deutschland genannt. Für dieses Sortiment ist der Subkontinent sehr wichtig.

Japan ist einer der führenden Überseemärkte. Die Mabashira-Preise haben sich nach einer Talfahrt nunmehr so stabilisiert, dass europäische Lieferanten verkaufen können. Die japanischen Kunden sind bestens über den europäischen Holzmarkt informiert. Sie wissen, dass mit dem vermehrten Käferholzanfall die Schnittholzqualität im Laufe des Jahres sinken könnte – und kaufen jetzt.

 

 

Richtiger Rohstoff für die Weltmärkte?

 

Zur Bedienung der Weltmärkte wird überwiegend schwächeres Rundholz benötigt. Wie die Mitteleuropäer diese Chancen nutzen können, wird auch vom Rundholzangebot abhängen. Bei Ware aus schmäleren Dimensionen und guter Qualität dürfte daher noch nicht so bald das preisliche Limit erreicht worden sein.

Auf den Weltmärkten wird für die kommenden Monate auch entscheidend sein, wie sich die Leitwährungen weiterentwickeln. Mit einer leichten Euroabschwächung (1,16 US-$/€) kompensieren die europäischen Lieferanten derzeit die erste Preisabschwächung am US-Markt seit Wochen.

Das ist nichts in Relation zu dem Bonus, den ein schwacher Rubel den russischen Exporteuren bescherte. So mauserte sich Russland bereits zum Nummer 2-Versorgerland von Italien mit Lamellenholz. Hier haben russische Lieferanten andere Möglichkeiten.

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